„Die Blockchain wird wesentlicher Teil der Infrastruktur“

Montag, der 5. Februar 2018

michaelmellinghoffAxel Apfelbacher ist seit Jahresbeginn im Vorstand des Fintechs niiio für das Ressort Strategie mit Schwerpunkt Blockchain zuständig. Was das Unternehmen langfristig von der Technologie erwartet und wo es bei der Umsetzung entsprechender Projekte aktuell noch hakt, erklärt Apfelbacher im Interview mit dem private banking magazin.

Von 

private banking magazin: Ihr Unternehmen niiio Finance Group ist spezialisiert auf digitale Dienste für Banken und Finanzdienstleister. Was hat Sie bewogen, jüngst auch Blockchain-Projekte in Ihr Angebot aufzunehmen?

 

Axel Apfelbacher: Wir gehen davon aus, dass Blockchain-Lösungen in der Zukunft einen wesentlichen Teil der Infrastruktur beim Übertragen und Verwahren von Vermögenswerten darstellen werden. Da reden wir zwar noch über längere Zeiträume bis zu einer vollständigen Marktimplementierung, unser Ziel ist es jedoch bereits heute, anhand konkreter Fälle erste Schritte in Richtung solch einer Vision zu gehen.

 

Warum wird die Technologie einen Unterschied machen?

 

Apfelbacher: Die Blockchain muss man sich wie ein dezentrales Buchführungssystem vorstellen, in dem jede einzelne Transaktion als Datensatz, dem Block, gespeichert wird. Da jeder dieser Vorgänge auf den vorangegangenen aufbaut, sind alle miteinander verkettet, eben zur sogenannten Chain. Indem diese dezentral bei jedem Knotenpunkt vorliegt, ist es für den Einzelnen praktisch unmöglich, den Inhalt bestehender Blöcke zu manipulieren. Das macht das System sehr fälschungssicher. Sie können sich denken, dass diese Sicherheit die Anwendung der Technologie für die verschiedensten Bereichen interessant macht.

 

Nur in der Finanzindustrie oder auch in anderen Wirtschaftssektoren?

 

Apfelbacher: Über den Banken- und Vermögensverwaltungssektor hinaus gibt es aktuell sehr viele Beispiele von Experimenten in den unterschiedlichsten Branchen, von Energie-Konzernen über Logistik-Unternehmen bis hin zu Medienhäusern. Typischerweise sind Blockchain-Anwendungen immer dann sinnvoll, wenn eine Vielzahl an Nutzern Zugriff auf eine gemeinsame Datenbasis bekommen soll und die Einigung, welcher der Nutzer der zentrale Datenbankanbieter sein soll, schwierig herzustellen ist.

 

Ist die Blockchain eine disruptive Technik, die die Existenz der bestehenden niiio-Kunden gefährden wird?

 

Apfelbacher: Technik ist immer nur ein Werkzeug, dessen sinnvoller oder weniger sinnvoller Einsatz darüber entscheidet, welche Geschäftsmodelle überleben und welche vom Markt verschwinden. Wenn die Technologie einen Wettbewerbsvorteil für diejenigen produziert, die sie sinnvoll anwenden, stellt das selbstverständlich eine Herausforderung für Unternehmen mit veralteten Infrastruktur-Modellen dar. Wir wollen unsere Kunden bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und der dazugehörigen Infrastruktur mit den entsprechenden Plattformen und unserem Know-how unterstützen, um diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

 

Wo sehen Sie gegenwärtig die größten Herausforderungen beim Planen und Umsetzen von Blockchain-Projekten?

 

Apfelbacher: Die Herausforderungen sind vielfältig, daher gehen wir auch davon aus, dass die Transformation zu Blockchain-Infrastrukturen viele Jahre in Anspruch nehmen werden. Neben den technologischen Themen rund um die Datentransparenz und die gezielte Unterscheidung zwischen Daten, die Nutzer sehen dürfen, und solchen, die sie nicht sehen sollten, dreht es sich hier um zentrale Fragen unseres Rechtssystems und unserer Organisationskulturen. Der Rechts- und Regulierungsrahmen ist aktuell nur sehr unzureichend auf die Entstehung von Blockchain-Infrastrukturen vorbereitet. Zugleich tun sich viele Unternehmen heute noch mit der Idee schwer, bestehende Datensilos aufzubrechen und ihren Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden mehr Transparenz anzubieten.

 

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