niiio finance group: „Merck Finck ist für uns sowohl Kunde als auch Partner“

niiio-CEO Johann Horch sprach mit der 4investors-Redaktion über die aktuellen Pläne und Ziele der Gesellschaft. Bild und Copyright: niiio finance group.

24.07.2020 (www.4investors.de)
Die Privatbank Merck Finck startete Anfang Juli eine digital gestützte Vermögensberatung auf Basis der munio.pm-Plattform der niiio finance group AG. Die Cloud-Lösung, die Effizienzgewinne durch Digitalisierung verspricht, ist jetzt auch für andere Privatbanken einfach zugänglich. Und die niiio finance group hat weitere ehrgeizige Pläne. So will sie neben den bestehenden White-Label-Lösungen für Robo-Advisor das Angebot um einen „Algo-as-a-Service“ erweitern und mit einem Projekt zur Digitalisierung von Finanzinstrumenten eine „Infrastruktur-Revolution“ starten. Die Redaktion von 4investors.de sprach mit niiio-CEO Johann Horch über die aktuellen Pläne und Ziele der Gesellschaft.

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Herr Horch, dies ist unser erstes Interview mit der niiio finance group AG. Bitte stellen Sie unseren Lesern doch kurz Ihr Unternehmen vor.

Horch: Die niiio finance group mit Standorten in Görlitz und Dresden ist ein Anbieter von Cloud Banking Software mit Fokus auf das Vermögensmanagement. Als „Full-Service-Provider“ digitalisieren wir die Prozesse unserer Kunden, damit diese effizient, flexibel und rechtssicher arbeiten können. Zudem bieten wir unseren Kunden an, ihre Wertpapierportfolien algorithmisch optimieren zu lassen. Aktuell nutzen bereits mehr als 50 Banken und Vermögensmanager deutschlandweit die munio.pm-Software unserer größten Tochtergesellschaft DSER GmbH. Im zweiten Geschäftsbereich entwickelt die niiio Gruppe White-Label-Lösungen für Robo-Advisors im kundenindividuellen Design. Diese sind ebenfalls bei namhaften Vermögensverwaltern im Einsatz.

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niiio sieht sich als „technologischer Vorreiter der Branche“. Können Sie uns dies anhand der munio.pm-Plattform erläutern? Was machen Sie besser als die Konkurrenz?

Horch: Kern unseres technologischen Vorsprungs ist der bereits 2006 entwickelte Algorithmus zur risiko-adjustierten Wertpapieranlage, unsere zertifizierte Private-Cloud-Lösung und unser in fast anderthalb Jahrzehnten gewonnenes Finanz- und Regulatorik-Know-how. Die munio.pm-Plattform basiert auf einer offenen und zustandslosen IT-Architektur, d. h. wir können unendlich skalieren und uns sehr schnell in bestehende IT Landschaften einbetten. Somit sind die Implementierungskosten ein Bruchteil der „normalen“ Welt. Zudem ist die Time-to-Market extrem schnell.

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Am 2. Juli ist die Privatbank Merck Finck mit ihrer digital gestützten 
Vermögensberatung auf Basis der munio.pm-Plattform gestartet. Welche Rolle hatte niiio als strategischer Partner bei der Umsetzung dieses Projekts inne?

Horch: Aus dem Private Banking kommend stoßen wir mit dem neuen munio in das Wealthmanagement vor. Merck Finck ist für uns sowohl ein Kunde als auch ein Partner beim Aufbau der neuen Wealthmanagement Suite. Somit konnten wir selbst komplexe Bankprozesse auf unsere neue Cloud-Plattform heben und können nun eine Privatbank fast genauso schnell live schalten wie eine Retailbank. Wir standardisieren somit die Phasen Change-the-Bank und Run-the-Bank und bieten eine kosteneffiziente Full-Service-Plattform für Vermögensberatung und -verwaltung.

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Welche Bedeutung hat die Kooperation mit Merck Finck für niiio? Inwiefern ist dies auch ein wichtiges Referenzprojekt und Türöffner für weitere Neukunden?

Horch: Dank dieses Projektes konnten wir eine neue Usergruppe mit Privatbanken etablieren. Zielsetzung der Cloud-Architektur ist, dass relevante Funktionen nur einmal entwickelt werden und alle teilnehmenden Banken davon profitieren können. Die Change-Kosten sinken dadurch für alle Beteiligten drastisch. Unsere Kunden haben daher auch immer ein strategisches Interesse daran, weitere Kunden für unsere Cloud-Plattform zu akquirieren, da die Netzwerkeffekte allen Teilnehmern zugutekommen. Und es versteht sich, dass wir dafür bei künftigen Kunden dann auch andere Lizenzgebühren aufrufen können als beim ersten Referenzkunden. Der jüngste McKinsey-Report bestärkt uns darin, dass unsere Strategie der umfassenden Digitalisierung des Privatbanken-Segmentes sinnhaft ist. Die Effizienzgewinne, die durch die Nutzung unserer Software möglich sind, helfen unseren Kunden dabei, die schwierige Ertragslage – gerade im deutschen Markt – mit einer schlankeren und moderneren Infrastruktur zu beantworten und zugleich mehr Zeit für die eigentliche Kundenberatung zu gewinnen.

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Kommen wir auf das Thema Robo-Advisor zu sprechen. Welche Services 
bieten Sie in diesem zukunftsträchtigen Geschäftsfeld an?

Horch: In der ersten Stufe liefern wir ein „Rundum-Sorglos“-Paket, mit dem jeder Vermögensverwalter binnen weniger Wochen eine digitale Vermögensverwaltung anbieten kann. Wir stellen Vermögensberatern und -verwaltern unsere Algorithmen zur Verfügung, um eine kundenindividuelle Portfolio-Allokation und einen besseren Match zwischen Kundenerwartung und Portfolio-Risiko zu erreichen.

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Wie profitieren Sie mit Ihrem White-Label-Robo vom Wachstum Ihrer 
Vermögensverwaltungskunden?

Horch: Wir haben mit den Vermögensverwaltern gleichgerichtete Interessen. Wachsen diese mit ihren Assets under Management, dann wachsen wir mit. Wir erhalten 10 bis 28 Basispunkte bezogen auf das verwaltete Vermögen, je nach Dienstleistungstiefe, die wir anbieten. Da wir geringe laufende Kosten haben, schlägt sich der Umsatz direkt im Ertrag nieder.

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Wie sehen Ihre weiteren Pläne im Bereich Robo Advisory aus?

Horch: In der nächsten Stufe planen wir, unser Angebot um „Algo-as-a-Service“ zu erweitern. Damit zielen wir auf die eigenständige Vermarktung unserer Algorithmen ab, die bei der Steuerung und Überwachung von Portfolien zum Einsatz kommen. Wir bereiten gerade den ersten Markttest dieses Modells mit einer Vermögensverwaltung vor. Der Markt für digitale Vermögensverwaltungen weist eine hohe Wachstumsdynamik auf, da nicht zuletzt durch Corona der Bedarf nach digitalen Angeboten weiter zugenommen hat. Wir planen zu wachsen, in dem wir zahlreiche weitere digitale Vermögensverwalter als Kunden gewinnen und unsere bestehenden Kunden Zuwächse beim verwalteten Vermögen erzielen, weil sie von Endkunden als wertschöpfende Anbieter von Vermögensmanagement-Leistungen erkannt werden.

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Ihrer jüngsten Veröffentlichung zufolge haben Sie Investorengespräche zur 
Finanzierung eines Distributed-Ledger-Infrastruktur-Projekts aufgenommen. Was kann man sich konkret unter einer Distributed Ledger-basierten Infrastruktur vorstellen und wo kommt diese zum Einsatz?

Horch: Mittels Distributed-Ledger-Technologie lassen sich Handel, Verwahrung und Verwaltung von Finanzinstrumenten kosteneffizienter organisieren als mit den bestehenden Finanzmarkt-Infrastrukturen. Für viele Instrumente ist der technische und organisatorische Beweis dafür bereits erfolgt, bei der Emission von Aktien ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Rechtssystem und Technologie eine Reihe an offenen Fragestellungen, die wir in unserem Proof-of-Concept beantworten wollen. Die Anwendungsmöglichkeiten eines solchen Systems sind sehr vielfältig, es kann faktisch an allen Stellen eingesetzt werden, an denen das Eigentum eines Gegenstands oder Rechts mit der Identität des Inhabers revisionssicher und nachvollziehbar verknüpft werden muss.

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Das klingt, als würden Sie nicht weniger als eine Revolution im 
Wertpapierhandel anstreben?

Horch: Erfolgreiche Infrastruktur-Projekte haben immer eine enorme Auswirkung auf Markt- und Kostenstrukturen, insbesondere in Bereichen, die über Jahrzehnte mit einem ausgereiften Infrastrukturmodell auf Basis alter Technologie ausgekommen sind. Noch heute basieren wesentliche Teile der Wertpapierabwicklung und -verwahrung auf der Technologie der 1960-1980er-Jahre. Ich würde daher weniger von einer Revolution sprechen als von einer überfälligen Modernisierung eines wesentlichen Teils unserer Marktinfrastruktur.

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Aber dieses Vorhaben kann niiio sicherlich nicht allein stemmen. Sind Sie 
auch hier auf der Suche nach renommierten Partnern?

Horch: Aus unserer Sicht ist es unumgänglich, eine starke Koalition an interessierten Parteien zusammenstellen, die sich dem Ziel einer Infrastruktur-Modernisierung verschreiben. Ohne starke Partner können wir zwar den technischen Proof of Concept durchführen, die anschließende Skalierung des Geschäftsmodells im Markt wird dann aber von unterschiedlichen Parteien getragen werden müssen, um die Erfolgschancen zu maximieren.

www.4investors.de: Wie profitabel arbeiten Sie schon heute? Und welche konkreten Ziele haben Sie für das laufende Geschäftsjahr?

Horch: Im vergangenen Jahr haben wir im Rahmen des Merck-Finck-Projekts sehr stark in die Weiterentwicklung unseres Flaggschiffs munio.pm investiert, das hat neben dem schwierigen Marktumfeld im Robo-Advisor-Bereich zu einem nicht unerheblichen Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr geführt. Aktuell erwarten wir auf Konzernebene trotz der Corona-Krise ein Umsatzwachstum von Prozent bis 15 Prozent und ein positives EBITDA für 2020.

www.4investors.de: Lassen Sie uns abschließend über Ihre Vision sprechen. Was wollen Sie mit der niiio finance group in den nächsten Jahren erreichen?

Horch: Finanzmärkte benötigen sehr viel Fachwissen, um sich gezielt und erfolgreich darin zu bewegen – und selbst erfahrene Experten liegen mit ihren Einschätzungen öfter auch einmal daneben. Wir kämpfen dafür, zum einen algorithmische Verfahren stärker in der Portfolio-Konstruktion zu verankern, zum anderen durch digitale Technologie die Kostenstrukturen im Vermögensmanagement so weit zu senken, dass eine viel größere Anzahl von Kunden in den Genuss professioneller Dienstleistungen in diesem Segment kommen können. In diesen Bereichen sehen wir bedeutende Erlöspotenziale für uns.

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